Blei in Munition, Kugeln und Angelgerät

 

Blei wird seit Jahrzehnten verbreitet in Munition und Angelgerät verwendet. Es wird geschätzt, dass pro Jahr durch diese Verwendungen ca. 21 000 – 27 000 Tonnen Blei in der EU in der Umwelt verteilt werden.

Die Verwendung von Bleimunition und Bleikugeln oder bleihaltigem Angelgerät verursacht bekanntermaßen Bleivergiftungen bei Wildtieren, wie z. B. Vögeln. Die menschliche Gesundheit kann ebenfalls durch Bleireste beeinträchtigt werden, die sich in Wild befinden, das mit Bleimunition erlegt wurde. 

 

Beschränkung von Blei in Munition und Angelausrüstung gemäß REACH – vorherige und derzeitige Aktivitäten
Die Arbeit der ECHA zu Blei in Munition und Angelgerät dauert nun bereits einige Jahre an und kann in drei Arbeitspakete unterteilt werden. 
 

1. Im Dezember 2015 bat die Europäische Kommission die ECHA, eine Untersuchung der Risiken durchzuführen, die von der Verwendung von Bleimunition in Feuchtgebieten ausgehen, und bei Bedarf einen Vorschlag für eine Beschränkung auszuarbeiten. 

  • April 2017 – Die ECHA gelangte zu dem Schluss, dass die Verwendung von Bleimunition in Feuchtgebieten ein Risiko darstellt, das nicht ausreichend beherrscht wird, und veröffentlichte ihren Vorschlag für eine Beschränkung.
  • Juni 2018 – Die ECHA schloss ihre Arbeit zum Vorschlag bezüglich Feuchtgebieten ab, indem sie die Stellungnahme der wissenschaftlichen Ausschüsse für Risikobewertung (RAC) und sozioökonomische Analyse (SEAC) bezüglich des Vorschlags annahm. 
  • Der Vorschlag wird nun durch die Kommission für eine Entscheidung in Erwägung gezogen.
 

2. Im September 2018 veröffentlichte die ECHA einen Untersuchungsbericht, in dem sie empfahl, weitere Maßnahmen zur Regulierung der Verwendung von Blei in Munition und Angelgerät zu ergreifen.

 
3. Im Juli 2019 bat die Kommission die ECHA, eine Untersuchung mit folgendem Umfang durchzuführen und, wo notwendig, Beschränkungen vorzuschlagen:
  • Blei, das in Munition zum Jagen von Vögeln und anderen Tieren (z. B. Hasen) in terrestrischen Gebieten (d. h. außerhalb von Feuchtgebieten) verwendet wird.
  • Blei, das in Munition für Schießsport in Außenbereichen, einschließlich bei Übungen (z. B. Schießen auf Tontauben) verwendet wird.
  • Blei, das in Kugeln zum Jagen von beliebigen Tieren verwendet wird.
  • Blei, das in Kugeln für Schießsport in Außenbereichen, einschließlich bei Übungen (z. B. Schießen auf Zielscheiben) verwendet wird.
  • Blei, das in Angelgerät (Gewichten, Ködern, Kunstködern) für die Freizeitfischerei verwendet wird.
  • Blei, das in kommerzieller Fischerausrüstung verwendet wird.
 
Militärische Verwendungen von Bleimunition, zusammen mit anderen nicht-zivilen Verwendungen von Bleimunition, wie z. B. durch Polizei sowie Sicherheits- und Zollkräfte, sind nicht im Umfang der Untersuchung enthalten. Verwendungen von Bleimunition in Innenbereichen sind ebenfalls vom Umfang dieser Untersuchung ausgeschlossen.
 
Die ECHA trägt derzeit mittels einer Konsultation, die vom 3. Oktober 2019 bis zum 16. Dezember 2019 dauert, Daten zur Unterstützung ihrer Untersuchung zusammen. Nach der Untersuchung der Daten durch die ECHA kann ein mögliches Beschränkungsdossier im Oktober 2020 erwartet werden.

 

Was ist Bleivergiftung bei Wildtieren und wie kommt sie zustande?

Nur ein sehr geringer Anteil der abgefeuerten Bleimunition trifft ihr Ziel. Der Rest dieser „verbrauchten“ Bleimunition wird in der Umwelt verteilt, wo er versehentlich von Vögeln aufgenommen werden kann, die ihn für Nahrung oder für die kleinen Steine halten, die sie fressen, um das Zermahlen der Nahrung in ihren Kaumägen zu unterstützen. Die Tatsache, dass verbrauchte Bleimunition aufgenommen wird, ist bei vielen Arten von Wasservögeln (z. B. Enten, Gänsen und Schwänen) weitläufig bekannt und wurde auch bei anderen Vogelarten berichtet. 

Nach der Aufnahme wird Bleimunition rasch in kleine Teilchen zermahlen (vom Kaumagen), wodurch ihre Bioverfügbarkeit erhöht wird. Die Resorption von Blei im Verdauungstrakt kann in manchen Fällen zum Tod oder zu beinahe tödlichen Nebenwirkungen führen. Die Aufnahme eines einzigen Stücks Bleimunition reicht aus, um den Tod eines kleinen Wasservogels zu verursachen.

Darüber hinaus konsumieren aasfressende oder räuberische Arten (z. B. Raubvögel) unbeabsichtigt Bleifragmente, die in den Geweben von Beutetieren (nachdem diese zuvor mit Bleimunition verwundet wurden) oder in den inneren Organen großer Wildtiere (z. B. Rehe) vorhanden sind, die nach dem „Aufbrechen“ von Kadavern entsorgt werden. Dieser Expositionsweg wird als „Sekundärvergiftung“ bezeichnet und führt bekanntermaßen ebenfalls in vielen Fällen zu Bleivergiftung von Wildtieren. 

Laut Schätzungen werden derzeit bei Jagd- und Schießsportaktivitäten pro Jahr 5 000 Tonnen Bleimunition in die Feuchtgebiete der EU abgegeben. Die ECHA hat geschätzt, dass dies pro Jahr in der gesamten EU zum unbeabsichtigten Tod durch Bleivergiftung von ca. einer Million Wasservögeln führt. 

Darüber hinaus werden pro Jahr schätzungsweise 14 000 Tonnen Bleimunition in terrestrische Umgebungen verteilt. Derzeit wird geschätzt, dass diese Verteilung pro Jahr zum unbeabsichtigten Tod von weiteren ein bis zwei Millionen Vögeln führt. 

Weitere 2 000 bis 6 000 Tonnen Blei werden durch Angelgewichte in Gewässer freigesetzt.

 

Welche gesundheitlichen Risiken ergeben sich für Menschen?

Die Exposition gegenüber Blei ist mit einer Reihe negativer gesundheitlicher Auswirkungen verbunden, einschließlich verminderter Fruchtbarkeit, entwicklungsbezogene Wirkungen bei Säuglingen und Kindern, Schädigung von Organen durch längere oder wiederholte Exposition und Krebs. Blei ist insbesondere schädlich für die neurologische Entwicklung von Kindern. Aktuelle Daten legen nahe, dass es keine unbedenkliche Verzehrmenge von Blei gibt.

Auf Grundlage des Risikos klinisch bedeutsamer Wirkungen bei Säuglingen, Kindern und Schwangeren hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bereits  zuvor (EFSA 2010) empfohlen, die Exposition gegenüber Blei sowohl über die Nahrung als auch über andere Quellen zu reduzieren. 

Jüngste Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass mit Bleimunition getroffenes Wild mikroskopisch kleine Bleifragmente enthalten kann, die bei der Zubereitung nicht entfernt werden können. Das Verfahren, Fleisch um den Wundkanal herum „wegzuschneiden“ und zu entsorgen oder eingebettete Bleifragmente zu entfernen, reicht nicht aus, um sämtliches im Fleisch vorhandenes Blei zu entfernen. 

Durch jede Reduzierung der Exposition gegenüber Blei über die Nahrung wird das Risiko für die menschliche Gesundheit gesenkt, insbesondere für Kinder und Erwachsene, die regelmäßig Wildfleisch essen. Mehrere Lebensmittelbehörden in EU-Mitgliedstaaten empfehlen Bürgern, mit Bleimunition erlegtes Wild in Maßen zu verzehren, einschließlich der Französischen Agentur für Nahrungssicherheit, Umwelt und Arbeitsschutz (ANSES), die der breiten Öffentlichkeit empfiehlt, mit Bleimunition erlegtes Wild nicht mehr als dreimal pro Jahr zu verzehren, und Kindern und Schwangeren empfiehlt, überhaupt kein mit Bleimunition erlegtes Wild zu verzehren.

Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Verzehr von mit bleihaltigem Angelgerät gefangenen Fischen zu einer Exposition gegenüber Blei über die Nahrung führt. Die Praxis, bleihaltiges Angelgerät „zu Hause zu gießen“, hat jedoch in jüngster Vergangenheit unter einigen Fischern als „Do-it-yourself“-Aktivität an Beliebtheit gewonnen. Erfolgt dies ohne geeignete persönliche Schutzausrüstung oder Belüftung, besteht das Risiko einer Exposition gegenüber bleihaltigen Dämpfen und Stäuben. Derartige Aktivitäten können außerdem zu Risiken für andere Bewohner des Haushalts führen, zum Beispiel aufgrund einer unzureichenden Belüftung oder einer falschen Unterbringung der kontaminierten Ausrüstung.

 

Gibt es Alternativen zu Blei in Munition und Angelgerät?

Die Beschränkung bleihaltiger Munition ist kein neues Phänomen. In vielen EU-Mitgliedstaaten bzw. Regionen innerhalb von Mitgliedstaaten gelten bereits Verbote. Die Erfahrungen aus Ländern mit bereits gültigen Verboten haben gezeigt, dass Jäger und Sportschützen sich an die Verwendung von Alternativen anpassen konnten, ohne dass wesentliche Probleme in Bezug auf Querschläger und Sicherheitsfragen aufgetreten sind.
 
Die Leistungsfähigkeit von Munition aus Stahl (Weicheisen) hat sich seit deren Einführung erheblich verbessert. Feldstudien haben gezeigt, dass Jäger, die Stahlmunition verwenden, dieselben Ergebnisse erzielen können wie mit Bleimunition. Die effektive Schussdistanz für moderne Stahlmunition entspricht der Reichweite, in der üblicherweise Wildgeflügel gejagt wird. Für einige Arten größeren Wildgeflügels, wie z. B. Gänse, sind jedoch unter Umständen mit Hochleistungs-Stahlpatronen kompatible Schrotflinten erforderlich.
 
Untersuchungen zeigen, dass Querschläger sowohl mit Stahl- als auch mit Bleimunition auftreten. Die Erfahrungen aus Dänemark sowie die Forschung aus Deutschland weisen darauf hin, dass sich das Unfall- oder Verletzungsrisiko durch Querschläger bei Verwendung von Stahlmunition im Vergleich zu Blei nicht erhöht.
 
Munition auf Wismut- oder Wolframbasis kann ebenfalls als Alternative zu Blei verwendet werden und hat den Vorteil, dass sie in jeder beliebigen Schrotflinte einsetzbar ist, einschließlich traditioneller Schrotflinten, die möglicherweise nicht für Stahl geeignet sind.
 
Studien zeigen, dass bleifreie Kugeln ebenso effektiv sind wie Bleikugeln. Des Weiteren haben Studien nachgewiesen, dass das rasche und ethisch korrekte Töten von Tieren bei Jagdaktivitäten mit bleifreien Alternativen gleichermaßen gewährleistet werden kann.
 
Bleifreie Gewehrmunition ist auf dem europäischen Markt in zahlreichen Kalibern erhältlich, die für die meisten Jagdsituationen in Europa geeignet sind. Wie im Untersuchungsbericht der ECHA dargelegt, stellen mindestens 13 große europäische Unternehmen bleifreie Kugeln für verschiedene Gewehrkaliber her. Durch Feldstudien in Deutschland wurde nachgewiesen, dass die Verwendung von bleifreier Munition ebenso effektiv sein kann wie das Jagen mit bleihaltiger Munition. 
 
Neue Entwicklungen im Bereich des Angelgeräts haben ebenfalls gezeigt, dass es Alternativen zu Bleigewichten und Senkblei gibt, die mittlerweile leichter erhältlich sind.

 

Sind die Alternativen teurer?

Bleifreie Gewehrpatronen sind für alle Arten von Jagd und Schießsport geeignet und in der EU verbreitet erhältlich. 

Die aktuellen Preise für Stahl- und Bleimunition sind vergleichbar. Gewehrpatronen auf Wismut- und Wolframbasis, die derzeit in deutlich geringeren Mengen hergestellt, verkauft und verwendet werden, sind ca. vier- bis fünfmal teurer als Gewehrpatronen aus Blei und bleiben wahrscheinlich teurer als Gewehrpatronen aus Blei (und Stahl).
 
Die Forschung hat gezeigt, dass bleifreie Kugeln zu etwas höheren Kosten erworben werden können, aber dass dieser höhere Preis voraussichtlich nicht prohibitiv ist.

 

Müssen vorhandene Schrotflinten und Gewehre ersetzt werden?

Die verfügbaren Daten, einschließlich von großen Schrotflintenherstellern, legen nahe, dass es zwar eine begrenzte Anzahl von Fällen geben mag, in denen vorhandene Schrotflinten ersetzt werden müssten, jedoch Standard-Stahlmunition in allen gemäß den Standards erprobten Schrotflinten verwendet werden kann. Wismut- und Wolframladungen können, wenngleich sie teurer sind, in jeder beliebigen Schrotflinte verwendet werden.

Jäger, die Stahlmunition verwenden, müssen die „Zweierregel“ anwenden und zwei Munitionsgrößen kleiner wählen, um pro Schrotkugel dieselbe Energie wie bei Blei zu erhalten. Zum Jagen von Gänsen und Vögeln, die ähnlich groß oder größer sind, ist mehr Energie pro Schrotkugel erforderlich, was die Verwendung von „Hochleistungs“-Gewehrpatronen aus Stahl notwendig machen kann. Wenn eine Schrotflinte nicht mit der Lilie („Fleur-de-Lis“) gekennzeichnet ist, wird empfohlen, bei einem Waffenschmied prüfen zu lassen, ob die Schrotflinte mit Hochleistungs-Gewehrpatronen aus Stahl kompatibel ist.

Daten legen nahe, dass für die meisten modernen Gewehre, ähnlich wie bei Schrotflinten, geeignete alternative Munition erhältlich ist.

 

Der Vorschlag der ECHA, die Verwendung von Bleimunition in Feuchtgebieten zu beschränken

Diese vorgeschlagene Beschränkung sieht ein Verbot der Verwendung von Bleimunition in Feuchtgebieten in der gesamten EU vor. Eine Maßnahme auf EU-Ebene würde die nationalen Rechtsvorschriften, die in 24 EU-Mitgliedstaaten bereits in unterschiedlicher Form bestehen, harmonisieren und in vier EU-Mitgliedstaaten neue Rechtsvorschriften einführen.

Der Beschränkungsvorschlag (Dossier nach Anhang XV) wurde im April 2017 eingereicht, und im August 2018 übermittelte die ECHA die Stellungnahme ihrer wissenschaftlichen Ausschüsse zu dem Vorschlag an die Europäische Kommission.

In der Stellungnahme wurde empfohlen, dass eine Beschränkung von Blei in Munition, die in Feuchtgebieten verwendet wird, gerechtfertigt ist, um die weitläufige Exposition zahlreicher von Feuchtgebieten abhängiger Vogelarten gegenüber Blei durch die Aufnahme verbrauchter Bleikugeln zu reduzieren. Laut Schätzungen sterben in der EU pro Jahr ca. eine Million in Feuchtgebieten lebende Vögel trotz bestehender Rechtsvorschriften in vielen Mitgliedsstaaten und einer internationalen Vereinbarung (AEWA) zum Schutz in Feuchtgebieten lebender Vögel.

Die AEWA schreibt außerdem vor, dass die Verwendung von Bleimunition in Feuchtgebieten stufenweise abzuschaffen ist. Die Beschränkung war notwendig, um eine bestehende Verpflichtung gemäß der AEWA umzusetzen und die Rechtsvorschriften in der gesamten EU zu harmonisieren.

Die Kommission bereitet derzeit ihren Vorschlag auf Grundlage der Stellungnahme der Ausschüsse der ECHA vor. Der Vorschlag der Kommission zur Änderung von Anhang XVII der REACH-Verordnung wird für eine Abstimmung der Mitgliedstaaten im REACH-Ausschuss eingereicht, gefolgt von einem Zeitraum für die Prüfung durch das Europäische Parlament und den Rat.

Planned timetable for restriction proposal for lead in shot in terrains other than wetland, other ammunition and fishing tackle

 

Future timings are tentative

  Lead in shot in terrains other than wetland, other ammunition and fishing tackle
Intention to prepare restriction dossier 3 October 2019
Call for evidence 3 October 2019 –
16 December 2019
Submission of restriction dossier October 2020 (expected)
Public consultation of the Annex XV dossier (if conformity is passed) December 2020
RAC opinion September 2021
Draft SEAC opinion September 2021
Public consultation on draft SEAC opinion September 2021 –
November 2021
Combined final opinion submitted to the Commission January 2022
Draft amendment to the Annex XVII (draft restriction) by Commission Within 3 months of receipt of opinions
Discussions with Member State authorities and vote Spring/summer 2022
Scrutiny by Council and European Parliament Before adoption (3 months)
Restriction adopted (if agreed) End of 2022

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