Wissenschaftliche Themen in der Diskussion

 

Glyphosat

1. Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist einer der am meisten verwendeten Wirkstoffe in Pestiziden zur Verhinderung von unerwünschtem Pflanzenwachstum rund um Anbaukulturen oder zum Abtöten von Pflanzen oder Pflanzenteilen. Diese Stoffe sind häufig unter dem Begriff „Herbizide“ bzw. „Unkrautvernichtungsmittel“ bekannt.

2. Wofür wird Glyphosat verwendet?

Glyphosat wird in der Landwirtschaft und im Gartenbau vor der Aussaat gegen Unkrautbefall eingesetzt. Werden gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, die gegen Glyphosat resistent sind, wird der Stoff auch nach der Aussaat gegen Unkrautbefall zwischen den Nutzpflanzen verwendet. Diese Praxis ist in der Europäischen Union allerdings nicht üblich.

3. Wie verhält sich die ECHA in Bezug auf Glyphosat?

Die ECHA verwaltet die Rechtvorschriften zur Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Gemischen. Hierin ist geregelt, wie Stoffe anhand der gefährlichen Eigenschaften, die sie möglicherweise aufweisen, bewertet und gekennzeichnet werden - etwa Gifte, entzündbare oder ätzende Stoffe usw. Für bestimmte Stoffe wie z. B. Pestizide kann auf EU-Ebene eine Entscheidung über die Einstufung getroffen werden, die in ganz Europa gilt. In der Praxis bedeutet dies, dass jedes Erzeugnis, das diesen Stoff enthält, entsprechend gekennzeichnet werden muss, um Verbraucher zu warnen.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat vorgeschlagen, dass für Glyphosat eine zusätzliche harmonisierte Einstufung erfolgen sollte (von denen es bereits mehrere gibt). Wie in der CLP-Verordnung vorgesehen, hat die ECHA die beteiligten Akteure aufgefordert, im Zuge einer öffentlichen Konsultation bis zum 18. Juli 2016 zu diesem Vorschlag Stellung zu nehmen. Die Bundesanstalt geht auf die bei der ECHA eingegangenen Anmerkungen ein. Im Anschluss arbeitet der Ausschuss für Risikobeurteilung (Risk Assessment Committee - RAC) der ECHA eine wissenschaftliche Stellungnahme aus. Der RAC ist ein wissenschaftlicher Ausschuss aus Experten, die von den Mitgliedstaaten der Europäischen Union nominiert und von der ECHA bestellt werden. Diese prüfen alle einschlägigen Daten - einschließlich der Daten, die von Dritten vorgelegt werden. Der RAC trägt dabei aber auch allen wichtigen Informationen Rechnung, die zuvor von anderen Gremien analysiert wurden, und berücksichtigt außerdem unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf die Bewertung einiger dieser Studien.

Der RAC legt der Europäischen Kommission seine unabhängige wissenschaftliche Stellungnahme zu der Frage vor, ob die inhärenten Eigenschaften von Glyphosat die rechtlichen Kriterien für die Einstufung gemäß der Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung (CLP) erfüllen. Die Kommission trifft die endgültige Entscheidung. Weitere Informationen zur harmonisierten Einstufung können über die nachstehenden Links abgerufen werden.

Die Bewertung des RAC und der ECHA beruht ausschließlich auf den gefährlichen Eigenschaften des Stoffes - kann der Stoff schädliche Wirkungen verursachen? Dem Risiko oder dem Ausmaß, in dem Menschen und die Umwelt dem Stoff ausgesetzt sind, wird dabei nicht Rechnung getragen. Dies hängt natürlich davon ab, wie der Stoff verwendet wird, und wie viel davon zum Einsatz kommt. Diese detaillierten Risiken werden daher von Fall zu Fall im Rahmen der einschlägigen Rechtsvorschriften geprüft. Im Fall von Glyphosat sind dies die Rechtsvorschriften über Schädlingsbekämpfungsmittel (Pestizide). Diese Rechtsvorschriften - auch unter dem Begriff Pflanzenschutzmittelverordnung bekannt - werden von der Europäischen Kommission und der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) verwaltet. Weitere Informationen zu Risiken und zur Exposition können über die nachstehenden Links abgerufen werden.

4. Woher stammen die wissenschaftlichen Daten, und kann ich Einsicht in diese Daten nehmen?

Bei der Durchführung ihrer Bewertungen greifen Regulierungsbehörden wie die ECHA auf eine Kombination von Daten aus veröffentlichten oder unveröffentlichten toxikologischen Untersuchungen zurück.

Laut EU-Recht ist die Industrie gesetzlich verpflichtet, die sichere Verwendung von chemischen Stoffen zu gewährleisten, die sie in Verkehr bringt. Daher muss die Industrie (öko-)toxikologische Studien zur Ermittlung der gefährlichen Eigenschaften dieser Stoffe durchführen. Für diese Studien kommt die Industrie auf.

Spezialisierte Labors, die normalerweise solche Studien für die Industrie durchführen, müssen sich an strenge Leitlinien halten, die in den EU-Rechtsvorschriften und damit verbundenen Leitliniendokumenten festgelegt sind. Die Studien sind im Einklang mit der vereinbarten Methodik durchzuführen und müssen bestimmte Qualitätsanforderungen (technische Leitlinien der OECD oder gleichwertige Vorgaben sowie gute Laborpraxis) erfüllen. Ebenso wird beispielsweise auch bei Arzneimitteln vorgegangen.

Die vollständigen Berichte über diese Studien werden den zuständigen Regulierungsbehörden, darunter auch dem Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA, zur Bewertung vorgelegt.

Sobald die Stellungnahme angenommen wurde, werden die Ergebnisse der im Einstufungsprozess berücksichtigten Studien, die Antworten auf die eingegangenen Anmerkungen und die Stellungnahme des RAC zur Einstufung von Glyphosat auf der Website der ECHA veröffentlicht. Das von der zuständigen Behörde Deutschlands eingereichte Dossier sowie die im Zuge der öffentlichen Konsultation eingegangenen Anmerkungen sind dort bereits abrufbar.

5. Wie geht es weiter?

Der Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA (RAC) formuliert derzeit seine Stellungnahme zur Einstufung des Stoffes, wobei er auch den während der öffentlichen Konsultation zu Glyphosat im Frühsommer 2016 übermittelten Informationen Rechnung trägt. Der RAC nimmt die endgültige Stellungnahme zur harmonisierten Einstufung von Glyphosat Ende November 2017 an. Die ECHA legt die Stellungnahme der Kommission vor, die die endgültige Entscheidung zur Einstufung von Glyphosat trifft. Die Kommission trägt der Einstufung bei der Entscheidung über eine mögliche Verlängerung der Zulassung von Glyphosat im Rahmen der Pflanzenschutzmittelverordnung Rechnung.

6. Ich habe erfahren, dass Glyphosat wissenschaftlich unterschiedlich bewertet wird - weshalb sind sich die Wissenschaftler uneins?

In letzter Zeit gab es mehrere Berichte zu Glyphosat. Je nachdem, nach welchem Ansatz vorgegangen und wie die Daten geprüft wurden, gelangten die Wissenschaftler zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Dies ist nicht unüblich - die Auslegung und Gewichtung wissenschaftlicher Daten erfordert Beurteilungsvermögen. Doch die Daten, die den Berichterstattern der letzten Zeit vorliegen, müssen jetzt auch vom Ausschuss für Risikobeurteilung der ECHA, dem unabhängige Experten aus den EU-Mitgliedstaaten angehören, geprüft werden.

Die ECHA gibt eine unabhängige wissenschaftliche Stellungnahme zu der Frage ab, ob eine harmonisierte Einstufung für Glyphosat aufgrund der Gefahrstoffkriterien gemäß der Verordnung über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung erforderlich ist. Wie bereits ausgeführt, bewertet die ECHA die inhärente Gefährlichkeit von Glyphosat und nicht die mit den einzelnen Verwendungen verbundenen Risiken. Diese Risiken, beispielsweise die Risiken in Verbindung mit der Verwendung von glyphosathaltigen Erzeugnissen, werden im Rahmen der Pflanzenschutzmittelverordnung bewertet.

Further information

ECHA

European Commission

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