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null Chemikalien im Alltag – Besorgniserregende Stoffe – SVHC

 

Besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC)

Stoffe, die ernste Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt haben können, können als „besonders besorgniserregende Stoffe" (Substances of Very High Concern, SVHC) eingestuft werden. Dabei handelt es sich primär um Stoffe, die krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend sind, und um Stoffe, die persistent (schwer abbaubar) und bioakkumulierbar (sich in lebenden Organismen anreichernd) sind. Andere ähnlich besorgniserregende Stoffe sind beispielsweise die sogenannten „endokrinen Disruptoren" (Stoffe mit schädlicher Wirkung auf das Hormonsystem).

Wenn ein Stoff in der EU offiziell als sehr besorgniserregend eingestuft wurde, wird er auf die Liste der für eine Zulassungspflicht infrage kommenden Stoffe (auch Kandidatenliste genannt) gesetzt. Dieser Liste können Verbraucher und die Industrie entnehmen, welche Stoffe als SVHC identifiziert wurden.

Unternehmen, die Erzeugnisse herstellen oder einführen, die diese Stoffe in einer Konzentration von mehr als 0,1 Massenprozent des Erzeugnisses enthalten, haben rechtliche Verpflichtungen. Sie müssen die Abnehmer der Erzeugnisse über das Vorhandensein des Stoffes und über die sichere Verwendung der Erzeugnisse informieren. Darüber hinaus müssen sie auch Verbraucher informieren, die diese Informationen anfordern.

Stoffe auf der Liste der infrage kommenden Stoffe können in die Zulassungsliste verschoben werden. Das bedeutet, dass es Unternehmen ab einem bestimmten Datum nicht mehr erlaubt ist, den gefährlichen Stoff in Verkehr zu bringen oder ihn zu verwenden, sofern sie keine Zulassung für den Stoff haben. Eines der Hauptziele der Zulassung besteht darin, besonders besorgniserregende Stoffe nach Möglichkeit allmählich aus dem Verkehr zu ziehen.

Die ECHA veröffentlicht Informationen zu besonders besorgniserregenden Stoffen in Verbraucherartikeln und nutzt dabei Informationen aus Registrierungsdossiers und Meldungen, die sie von den Importeuren und Herstellern der Erzeugnisse erhält.

Krebserzeugende, erbgutverändernde und/oder fortpflanzungsgefährdende Stoffe (CMR)

Diese chemischen Stoffe sind sehr gefährlich für die Gesundheit des Menschen. Sie können die DNA – unseren genetischen Bauplan – beeinträchtigen oder verändern, unkontrolliertes Wachstum von Zellen (Krebs) verursachen oder die Geschlechtsentwicklung stören. CMR sind unterschiedlich gefährlich, die meisten könnten aber auf der Grundlage von Nachweisen bei Menschen oder aus Tierversuchen als SVHC eingestuft werden.

  • Phthalate sind eine Gruppe von Stoffen, die so häufig wie kein anderer Stoff als Weichmacher verwendet werden. Bestimmte Phthalate wurden als Stoffe eingestuft, die schädliche Auswirkungen auf die Fortpflanzung haben, und einige von ihnen – darunter DEHP, DBP, BBP und DIBP – wurden auf die Liste der für eine Zulassungspflicht infrage kommenden besonders besorgniserregenden Stoffe gesetzt. Diese Phthalate sind in einer Reihe von Produkten für den Innen- und den Außenbereich zu finden, darunter in Bodenbelägen, Dacheindeckungen, Leitungen, Kabeln, Schläuchen und beschichteten Geweben, wie beispielsweise Kunstleder für Taschen und Bucheinbände.
Persistente, bioakkumulierbare und toxische Chemikalien

Stoffe, die schwer abbaubar („persistent") sind, die sich in lebenden Organismen anreichern („bioakkumulierbar") und die giftig („toxisch") sind, werden als „PBT-Stoffe" bezeichnet. Einige Stoffe können auch als sehr persistent und sehr bioakkumulierbar (very persistent and very bio-accumulative, vPvB) eingestuft werden. Die langfristigen Auswirkungen von PBT- und vPvB-Stoffen sind schwer vorhersagbar. Sind sie erst einmal in die Umwelt gelangt, ist es sehr schwierig, die Exposition gegenüber diesen Stoffen rückgängig zu machen. Die Stoffe können sich in Pflanzen, Tieren und letztendlich im Menschen anreichern. Sie können auch entlegene Gebiete verschmutzen.

  • Das bromierte Flammschutzmittel HBCDD (Hexabromcyclododecan) wird in Polystyrolprodukten verwendet und ist hauptsächlich in Wärmedämmplatten für Gebäude, in Verpackungsmaterialien sowie in Kunststoffgehäusen elektronischer oder elektrischer Geräte zu finden. Außerdem wird es auch in Textilbeschichtungen, insbesondere für Polstermöbel und Sitze in Verkehrsmitteln, in Vorhängen und Jalousien, in Matratzenüberzügen, in Heimtextilien und in Automobiltextilien verwendet. Es soll jetzt weltweit verboten werden, da es persistent, bioakkumulierbar und toxisch ist und große Distanzen in der Umwelt überwinden kann. So wurde es beispielsweise in Tieren in der Arktis gefunden. Der Stoff weist Gefahreneigenschaften auf, die wahrscheinlich beträchtliche schädliche Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt weltweit haben.
Ähnlich besorgniserregende Chemikalien

Dies sind Chemikalien, für die ernste Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt nachgewiesen sind, sodass sie ähnlich besorgniserregend sind wie CMR und PBT. Zu diesen Chemikalien gehören bestimmte endokrine Disruptoren (Stoffe mit schädlicher Wirkung auf das Hormonsystem) und Stoffe, die eine Sensibilisierung nach Inhalation bewirken können. Ihre Bewertung erfolgt von Fall zu Fall.

  • 4-tert-Octylphenol-Ethoxylate sind ein Beispiel für eine Reihe von endokrinen Disruptoren, die aufgrund von Umweltbedenken als besonders besorgniserregend eingestuft wurden. In der Umwelt bauen sie sich zu 4-tert-Octylphenol ab, einem Stoff, für den beispielsweise nachgewiesen wurde, dass er das Hormonsystem von Fischen schädigt. Diese Stoffe kommen in verschiedenen Verwendungen zum Einsatz, darunter in Farben und Medizinprodukten oder -geräten. Es wird die Auffassung vertreten, dass die Auswirkungen von 4-tert-Octylphenol-Ethoxylaten auf die Umwelt mit denen von PBT-Stoffen vergleichbar sind, und aus diesem Grund sind sie ähnlich besorgniserregend.

Liste der für eine Zulassungspflicht infrage kommenden Stoffe

Die Liste der für eine Zulassungspflicht infrage kommenden besonders besorgniserregenden Stoffe wird von der ECHA veröffentlicht und alle sechs Monate aktualisiert. Diese offizielle SVHC-Liste auf EU-Ebene basiert auf Vorschlägen, die von nationalen Behörden oder der ECHA gemacht werden, einer breiten öffentliche Konsultation und wissenschaftlicher Genauigkeit bei der Entscheidungsfindung. Der „Fahrplan für besonders besorgniserregende Stoffe" hat zum Ziel, dass bis 2020 alle relevanten derzeit bekannten SVHC in die Liste der für eine Zulassungspflicht infrage kommenden Stoffe aufgenommen werden.

Darüber hinaus haben Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen und einige nationale Regierungen eigene Listen mit Stoffen angelegt, die sie aufgrund ihrer negativen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit oder die Umwelt für bedenklich halten: